Die Korrekturen, ein Zitat.

Szene nachgestellt

Wenn Bücher, die von allen als „sehr gut“ bezeichnet werden, sich beim Lesen dann auch tatsächlich als sehr gut erweisen, ist das immer ein bißchen langweilig. Zumindest nicht überraschend. Auf der anderen Seite: hab ich dann eben ein sehr gutes Buch gelesen. Es besteht also eigentlich kein Grund zur Klage. Ich war vermutlich einfach – mal wieder – nicht schnell genug, um unter den Ersten zu sein, die das Buch „sehr gut“ fanden. Vor kurzem ging es mir so mit den „Korrekturen“ von Franzen. Das hat viele tolle Stellen, aber diese ist mir besonders aufgefallen:

„Wenn aber der Wendepunkt, die größte Veränderung im eigenen Leben, bloß eine Erkenntnis ist – ist das nicht sonderbar? Wenn sich absolut nichts ändert, nur dass man die Dinge plötzlich mit anderen Augen sieht und weniger ängstlich und weniger angespannt und deshalb insgeheim stärker ist, finden Sie das nicht erstaunlich: dass einem etwas völlig Unsichtbares im eigenen Kopf realer vorkommt als alles, was man je vorher erlebt hat? Sie sehen die Dinge klarer, und gleichzeitig wissen Sie, dass Sie sie klarer sehen. Und mit einem Mal kommen Sie darauf: Das ist sie, die Liebe zum Leben, nichts anderes meinen die, die ernsthaft von Gott sprechen. Solche Momente.“

Die Figur, die das sagt, erzählt gerade einer der Hauptfiguren, dass ihre Tochter von einem Cracksüchtigen gefoltert und ermordert wurde, und wie sie das verarbeitet hat. Das Gespräch findet auf einer Kreuzfahrt statt, durch die sie verhindern will, sich während der Hinrichtung des Tochtermörders in ihrer Heimatstadt aufzuhalten.

Ich kann nicht genau sagen, ob mir der Absatz wegen dieses Kontexts so gut gefällt. Weil er ohne ihn fast schon gefühlig klingt. Ich werde noch ein bißchen darüber nachdenken. Und ich empfehle dieses Buch. Es ist sehr gut.

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Eine Antwort zu “Die Korrekturen, ein Zitat.

  1. Ich lese gerade die „Unruhezone“, wo mich eine Stelle über den Zeichner Schulz ähnlich beeindruckt hat. Die „“Korrekturen“ stehen schon auf meiner Wunschliste, leider sind sie in der Stadtbücherei dauernd ausgeliehen.

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