Monatsarchiv: Juli 2011

Die Marion hat nur eine 512 MB Speicherkarte, was machen wir denn jetzt?

Es ist ja längst nicht mehr nur im Sommer Reisezeit. Oft aber doch. Daher: Ein Post zum Thema Reise, unter anderem.

Einer der ersten Blogs, den ich bewusst gelesen habe, war ein Weltreise-Blog Anfang 2006. Blogs an sich kannte ich schon länger, mein erstes eigenes Blog habe ich 2005 gestartet – unsinnigerweise, ohne mich groß für andere Blogs zu interessieren, was irgendwie auch ein Auffindbarkeitsproblem war. Logischerweise fand so auch niemand meinen Blog, aber das ist ein anderes Thema. Der Weltreiseblog war zu diesem Zeitpunkt bereits „abgeschlossen“, die Weltreise etliche Monate zuvor beendet. Da ich mich für einen der Reiseteilnehmer zu diesem Zeitpunkt jedoch stark interessierte, las ich mich noch mal kreuz und quer durch. Damals schien mir die Reisedokumentation ideal für die chronologische Form des Blogs zu sein (bzw. Blogs ideal für Reisedokumentation) – immerhin werden sie noch heute gerne mit dem etwas überholten Ausdruck als „eine Art Tagebuch im Netz“ beschrieben. Jedenfalls ließ sich die Reise darin hübsch nachvollziehen. Und, befeuert durch andere emotionale Desaster, werde ich seit damals periodisch von schlimmem Fernweh heimgesucht. Mehr noch: Fern- und Blogweh. Denn die Welt- oder zumindest längere Fernreise ist heute nicht mehr nur aufgeladen mit Attributen wie tatsächlicher und vermeintlicher Selbsterfahrung, Weltoffenheit und Einmaligkeit, sondern auch untrennbar mit ihrer medialen Dokumentation verbunden. Wenn es nicht dokumentiert ist, hat es auch nicht stattgefunden. Sicher gibt es noch ein paar eingefleischte Backpacker, die allein der Erfahrung wegen ohne Digitalkamera durch die Welt ziehen. Und nicht alle Menschen sind blogaffin. Einige Gigabyte Digitalfotos von Surfers Paradise, Angkor Wat oder der chinesischen Mauer und deren Ausschlachtung in Facebook-Alben sind aber in der Regel zumindest drin.

Die in den letzten Jahren – nach meinem Empfinden – immer populärere (Fern-)Reisekultur lässt sich wunderbar zerpflücken: mehr oder weniger junge, einigermaßen gutsituierte Menschen aus der westlichen Welt, die vornehmlich in ärmere bzw. möglichst ferne Länder reisen, auf der Suche nach dem Authentischen, dem einmaligen Moment („die perfekte Welle“, „Sommer des Lebens“ etc.), nach so genannter Lebenserfahrung. Mal etwas anderes sehen, andere Lebensweisen, andere Werte, die den Blick auf die eigene Gesellschaft und das eigene Leben ändern, im besten Falle. Das hält dann vermutlich so 1-2 Wochen nach der Heimkehr an, aber dafür können sie sich interkulturelle Kompetenz in den Lebenslauf schreiben. Eigentlich haben sie das meiste auf dem Display der Digitalkamera gesehen, denn der einmalige Moment kommt ja vielleicht nie wieder, außer dass er sich nahezu identisch auf ungezählten Urlaubsfotodateien weltweit wiederfindet. Weltgeschehen, soziale Fragen oder Umweltschutz blieben außen vor – darüber kann mensch sich zu weniger einmaligen Zeiten sorgen. Statt mit Einheimischen haben sich die Reisenden mit anderen Backpackern darüber ausgetauscht, wer das günstigste Hostel und wer das authentischste Erlebnis aufgespürt hat. (Oder ob alle genug Speicherkapazität dabei haben – einem solchen Gespräch musste ich in einem vietnamesischen Reisebus beiwohnen, s.o.).

Sich darüber zu mockieren ist einfach. Sich dabei zu fühlen, als sei frau primär grün vor Neid, allerdings auch. Das hängt sicher auch mit eingangs beschriebener emotionaler Verstrickung zusammen: es gibt da nicht nur die Weltreise, die ich noch nicht gemacht habe, sondern auch den Weltreisenden, den ich nicht haben konnte. Er ist Vergangenheit, die Reiselust blieb. Denn ganz davon abgesehen birgt der Fluchtmoment einer längeren Reise (und deren digitale Dokumentation) eben unbestreitbare Verlockungen – weg zu sein und gleichzeitig für alle nur noch im Internet da sein, während im Subtext steht: ich bin nicht da, aber ihr dürft mir gerne dabei zugucken. Mit der Tradition des Reiseberichts hat das oft nur noch bedingt etwas zu tun: weniger Reflektion, mehr Dokumentation. Es muss ja meist schnell gehen, sonst geht die Unmittelbarkeit verloren.

Gereist bin ich seit 2006 zwar ein bißchen, aber immer fehlte etwas – Zeit, Geld, Mut. Nun, wer weiß. Sollte es zur längeren Abwesehenheit kommen, werde ich in jedem Fall im Internet darüber berichten. So wie die Journalistin Meike Winnemuth, die mich zu diesem Post inspiriert hat. Sie hat bei Günther Jauch eine halbe Million gewonnen und lebt nun ein Jahr in zwölf verschiedenen Städten auf der ganzen Welt. Darüber berichtet sie in ihrem Blog Vor mir die Welt. Das liest sich schön (immerhin berichtet die Dame sonst auch beruflich) und macht mich ein bißchen grün um die Nase. Ich bin wohl doch einfach eine missgünstige Person!

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Algorithmen: Aufschlussreich.

Was ja unter anderem toll und gruselig ist an diesen Diensten des Internets, z.B. großen, namhaften Suchmaschinen: Mensch kann damit nicht nur die vorgesehen Dingen tun (z.B. Suchen), sondern dabei auch allerlei über Andere lernen, die dies tun (Suchen). Und was sie dabei so umtreibt. Ich werde jedenfalls in letzter Zeit das Gefühl nicht los, Algorithmen fassen die eine oder andere sozialwissenschaftliche Studie ganz passabel zusammen. Zum Beispiel neulich:

Screenshot wie kann ich
Der offenbar dominante Wunsch nach körperlicher Veränderung (wenig überraschend) rangiert also in etwa gleich auf mit der Problematik, sich bei Facebook abzumelden. Zu löschen, gar. Ist ein FB-Account am Ende so schwer loszuwerden wie als überflüssig empfundene Kilos? In jedem Fall scheint Facebook quasi körperliche Züge angenommen zu haben. Aber immerhin erhalten ja heute auch schon Babies einen Facebook-Account. Marshall McLuhan hätte seine Freude. (Ich weiß übrigens nicht mehr, was ich bei dieser Suche können wollte. Echt ehrlich. Es war aber keins von den genannten. Echt ehrlich).

Nicht so überraschend eine andere Erkenntnis: kostenloses Entertainment kommt noch etwas vor energiepolitischem Engagement. Andererseits: Immerhin ist energiepolitisches Engagement fast gleich auf mit kostenlosem Entertainment! Es gibt vielleicht etwas Hoffnung. Für Gratis-Filme setzt die Nutzerschaft sich sicher auch für alternative Energien ein.

Screenhot Alternativen

Vermutlich auch ein Ergebnis statistischer Analysen sind die SPAM-Kommentare auf WordPress. Die ähneln doch manchmal schon faszinierend  tatsächlichen Kommentaren – leere Hüllen zwar, aber im Prinzip ist soweit alles da. Was natürlich auch genug über viele Internetkommentare sagt. Ich finde das als Service aber nicht unpraktisch. Einmal auswendig gelernt, lässt sich damit spielend eine Stehparty bestreiten:  „Also ich denke das war eh lediglich eine Mode“ und „Grundsatzlich betrachtet ne gute Geschichte, ich frag mich nur, ob dies ständig umsetzbar ist“ sollten einen zumindest ein bis zwei Stunden über Wasser halten.

Grün.

Passend zum Blogsommerloch gibt es von mir mal etwas Häusliches und Leichtes. Und zwar Grüne Soße.  Viele FrankfurterInnen setzen sich in der Saison ein- bis mehrmals der etwas aufwendigen Zubereitung aus. Es lohnt sich, denn die Soße ist lecker und sommerlich. Und gesund, nehm ich mal an (und schmeckt in der Regel auch Leuten von Außerhalb, nicht so wie der hessische Apfelwein). Da andernorts die Grüne Soße viel zu unbekannt ist, ist dies also auch ein Promotion-Post (aber nicht gesponsort).

 

So sieht das Päckchen nach dem Auspacken aus: ganz viele Kräuter. Grüne Soße ist, wie der Name schon sagt, sehr grün. Die Beschaffung in Frankfurt ist leicht, anderswo sicher etwas schwieriger. Zur Not selbst zusammenstellen, was im Fall von Borretsch oder Pimpinelle sicher nicht so einfach ist. Auf keinen Fall jedoch Dill verwenden. Ich hab mir sagen lassen, Berliner könnten Grüne Soße auf dem Markt am Winterfeldtplatz erwerben.

 


Die Kräuter werden abgestielt (falls nötig), Altes und Welkes aussortiert, alles gewaschen und mit Hingabe trocken geschleudert. Es geht sicher auch nur mit einem Sieb und Abtropfen lassen, aber ich bin immer für die Spezialgerätschaft.

 

 

 

Raus kommt ein riesiger Haufen gewaschener Kräuter.

 

 

 

 

 

Bei der Zerkleinerung scheiden sich die Geister. Die hessische Hausfrau verwendete vermutlich ein klassisches Wiegemesser. Damit gehts sicher gut und lustig, hier hab ich allerdings eine Ausstattungslücke. Auch beim Grad der Zerkleinerung gibt es unterschiedliche Geschmäcker, ich mag’s fein, daher hacke ich mit dem großen Messer vor und lasse ansonsten ein weiteres Gerät für mich arbeiten. Es kann aber ein bißchen dauern!

 

Irgendwann sollte das so aussehen: deutlich weniger, aber immer noch sehr grün.

 

 

 

 

 

Zitronensaft dazu (von 1/2 – 1 Zitrone). Nicht zu viel, denn der Sauerampfer macht auch schon recht sauer.

 

 

 

 

 

 

Damit das ganze nun eine Grüne Soße wird, kommt Milchprodukt hinzu. Auch hier gibt’s unterschiedliche Varianten. Ganz falsch finde ich Quark und/oder purer Joghurt, das ist soll ja kein Kräuterquark. Richtig ist Saure Sahne oder Schmand, damit es etwas frischer ist tat ich noch etwas Joghurt dazu. Nächster Streitpunkt: Majonaise. Ich sage: ein Esslöffel auf jeden Fall. Dämpft die Säure. Und ein bißchen Senf. Pfeffer, Salz.

 

Farblich gehört das dann in etwa so. Die Appetitlichkeit ist wie bei vielen Traditionsgerichten wohl Ansichtssache.

 

 

 

 

 

Und das kommt dazu: gekochte Kartoffeln, gekochte Eier (manche zerhacken die Eier auch und tun sie direkt rein. Ich sage: Pfui!). Traditionell ist gekochtes Fleisch (Tafelspitz), seit neuestem in Frankfurter Lokalen auch Schnitzel, ich hab hier die vegetarische Variante. Die Sauße sieht leider etwas wie drübergekotzt aus – ich war so hungrig, da ging mir der Blick für die Ästethik ab.

Hier könnt ihr euch jetzt noch einen nachdenklichen Teil zu kulinarischen Traditionen und modernern Heimatbegriffen denken. Ich werde unterdessen was essen.