«Publisexisme ordinaire»

Neulich in Paris (schon wieder) regte ich mich ein bißchen über eine Reihe von großformatigen Schmuckwerbungen in der Metro auf, aus denen im wesentlichen hervorgeht, dass Frauen sich erst durch teure Schmuckgeschenke (vierstellig) richtig doll verlieben und Verliebte solch schmachtende Blicke, wie sie die Frauen von den Plakaten werfen, ohne Brillianten eben nicht erwarten können (und andere Zuwendung vermutlich auch nicht). Frauen wollen halt reich dekoriert werden, sonst werden sie nicht warm. Kennen wir ja. Das ist im Bereich der Schmuckwerbung zwar relativer Standard, aber das macht es kaum weniger nervig.

Nun hat mein Korrespondent in Paris eines der Plakate fotografiert, auf dem sich offensichtlich ein_e Gleichgesinnte_r aus Frankreich mit dem Spruch „Publisexisme ordinaire“ verewigt hat (leider nicht so gut zu erkennen). Das Plakat mag für sich genommen kein besonders großer Aufreger sein (mehr die Gesamtaussage dieser Schmuckkampagne, s.o.). Besonders interessant finde ich daran aber, dass in Frankreich offenbar ein eigenes Wort für Sexismus in der Werbung kreiert wurde – Publisexisme, das kennt sogar die Wikipedia. Damit wird das Problem als solches manifest.

Angesichts dessen, was uns Axe und Co. auch hier immer wieder vor die Nase setzen, denke ich stark über eine Übernahme nach. Wobei, „sexistische Kackscheisse“ lief ja bisher eigentlich ganz gut…

 

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Eine Antwort zu “«Publisexisme ordinaire»

  1. Interessanter Hinweis, dass es in Frankreich offenbar einen festen Begriff für diese Tatsache gibt. Das zeigt doch, dass man den Seximus in der Werbung dort bereits als Problem erkannt hat. Etwas, wo man andernorts noch weit entfernt scheint. Umso „schöner“, dass es gerade aus dem Land kommt, in dem man die Mode in erster Linie verortet, bliebe mal zu überlegen, ob das nicht auch wiederum etwas über deren Verständnis aussagt oder dadurch einfach eine Art gesellschaftliche Teilung offensichtlich wird. In GB versucht man ja durch Zensur von zu sehr geschönter Werbung – Photoshop lässt grüßen – einen ersten Schritt gegen die Verdinglichung der Frau, als Wesen von permanent perfekter Oberfläche und Jugendlichkeit zu unternehmen. Zumindest schwingt das in dem Vorwurf der bewussten Täuschung der Kunden ja irgendwie mit.

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