Dekoration separat erhältlich.

  

Küchen Keie! Dein 20-Jahre-Jubiläumsplakat ziert eine recht junge Dame, die ihrer Kleidung nach zu urteilen gerade auf dem Weg zu ihrem Abschlussball ist. In einer Küche läuft sie also vor allem Gefahr, sich das Kleid zu ruinieren (auch sieht eure Küche nicht so aus, als fände da gerade eine Party statt). Eine Küche hat sie, ihrem Alter nach zu urteilen, vermutlich auch noch nie gekauft. Zu euren Kunden (die, die wissen warum) zählt sie demnach eher nicht. Hätte sie das Geld für eine eurer Küchen – ich wage zu behaupten, dass sie es, je nach Gusto, eher fürs Backpacken durch Südostasien oder eine Prada-Handtasche auf den Kopf hauen würde. Es bleibt also die Frage: was treibt sie da auf eurem Plakat?

Ähnliches muss ich mich beim „Main-Taunus-Zentrum“ fragen, wird doch dessen Neueröffnung von einer ähnlich schick gewandeten Dame flankiert. Sie geht vielleicht zu einer Salsa-Party, aber eher nicht ins Shopping-Center. Dort könnte sie dieses festliche Outfit zwar ohne weiteres erwerben. Ob das als Werbekonzept aber so durchdacht ist? Denn erwerben könnte sie dort (immerhin „Hessens größtes Shopping-Center“) sicher auch Waffeleisen, Squash-Schläger, Hundeleckerlis und externe Festplatten.

Also, ihr Möbel- und Küchenfachgeschäfte, Elekromärkte, Einkaufscenter und lokale Radiosender. Was ist das immer mit den Mädchen in Ballkleidern? Raffinierte, kluge Werbestrategien sind jedenfalls nicht euer Begehr. Ob das nun eine Geldfrage ist, schlechte Beratung oder ob ihr es tatsächlich für eine total schicke Idee haltet – jedenfalls zieren eure Jubiläums-, Sonderangebots-, Neu- oder Wiedereröffnungsplakate nur zu gerne eine junge Dame in festlichem Outfit. Eine inhaltliche Verbindung zu Produkt, Haus oder Marke herzustellen ist dabei eine überflüssige Mühe, was den Models einwandfrei eine reine Dekofunktion zuweist. Hat ja auch Tradition, irgendwie, und wird in manchen Kontexten auch gerne live zelebriert. Als vordergründige Verbindung genügt die Konnotation „festlich“ und „besondere Gelegenheit“ = Mädchen in festlicher Gewandung. Und wir sind ja auch so schön daran gewöhnt.

Einfach schlechte Werbung, nicht der Rede wert? Naja. Mich wundert jedenfalls nicht, dass auf der immerwährenden ToDo-Liste im Unterbewusstsein vieler Mädchen und Frauen der Punkt „eine Zierde sein“ oft ziemlich weit oben steht.

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2 Antworten zu “Dekoration separat erhältlich.

  1. Was mir bei dem Küchen-Keie-Plakat als erstes ins Auge fiel, war (natürlich nicht das schlichte Küchenmöbel im Hintergrund, sondern) diese Föhnwelle-Perlenkette-Kombination der Dame im Vordergrund. Sehr retro, sehr „Schatz, ich bin zuhause!“, sehr unverschämt. Zunächst dachte ich: Ok, was Historisches zum Jubiläum – keine Werbung, lieber Reklame und so. Aber : Meine Damen und Herren von Küchen Keie, Sie mögen ja stolz sein, dass Sie sich bereits so lange am Markt behaupten konnten – aber 20 Jahre sind beim besten Willen keine 60!

    Man kann sich lebhaft vorstellen, wie bei der verantwortlichen Werbeagentur darüber sinniert wurde: Mmh – Küchenwerbung… wie öde! Einer dieser dynamischen, jungen Fernsehköche ist denen von Keie bestimmt zu teuer – also packen wir einfach ein hübsches Mädchen aufs Plakat. Das zieht doch immer. Aber Moment – Küche + Mädchen = Hausfrau. Zu offensichtlich? Man muss uns unsere Altbackenheit ja nicht gleich auf den ersten Blick ansehen. Nee nee. Nehmen wir den Betrachter doch einfach mit auf eine kleine Zeitreise in die 50er – da standen doch die jungen Frauen scharenweise in adretten Outfits in ihren blitzblanken Küchen rum (in unseren Köpfen zumindest – außerdem siehe http://www.ooegeschichte.at/typo3temp/pics/e1a0de8c9f.jpg). Also los!

    Ich frage mich, ob dieses irritiert-verwegene Grinsen der jungen Frau nur der klägliche Versuch der Agentur war, dieser Kampagne alla Anno Dazumal eine ironische Brechung beizumengen, oder ob sich das Model selbst die künstlerische Freiheit nahm, weil sie sich in Gedanken bereits das Harrspray aus den Haaren bürstete, um dank ihrer Gage endlich den lang ersehnten Backpacking-Trip nach Australien oder Asien anzutreten…

  2. Ich habe mich gefragt, warum die Frau ausgerechnet für Hessens größtes Shoppingcenter so zusammengekauert posieren musste?
    Naja. Wie du geschrieben hast: Nicht das einzig beschränkte hier…

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