Monatsarchiv: Januar 2012

„Natürliches Make-up“ als Gesichter-Default. Oder: So wie ich, nur in hübsch.

Die letzten Tage kursierte das Video „Fotoshop by Adobé“ des Filmemachers Jesse Rosten durchs Netz, in dem er die durch digitale Bildbearbeitung verzerrten Schönheitsstandards in Werbung, Magazinen etc. aufs Korn nimmt: „There’s only one way to look like a real covergirl: it’s (Ph)Fotoshop“. Photoshop ist zum Symbol für diese problematische Entwicklung geworden – was etwas in die Irre führt, schließlich trifft ja nicht das Programm die Schuld, sondern die Entscheider_innen, die damit diesen Look kreieren. Well, so ist es eben griffiger. Es geht darum, den eigenen Körper nicht als mangelhaft zu empfinden im Vergleich zu einer Perfektion, die am Computer entstanden ist. Nicht Zeit, Geld, Emotionen und Gesundheit darauf zu verschwenden. Statt dessen eine Vorstellung von Schönheit in Frage zu stellen, die furchtbar eindimensional und einschränkend ist und die ohnehin nur digital wirklich erreicht werden kann. Trotz der offenkundigen Künstlichkeit versuchen uns die Hochglanzbilder der Magazine, der Werbung oder Modewelt aber doch weiszumachen, sie seien irgendwie natürlich, und die abgebildeten Models und Celebrities derartig makellos. Auf das wir Produkte erwerben, um uns der Makellosigkeit anzunähern – oder unser Defizit zumindest zu kompensieren.

Diese Opposition von künstlich und (vermeintlich) „natürlich“ stößt mir auch an anderer Stelle sauer auf. Und zwar bei einer der perfidesten Erfindungen der modernen Kosmetikindustrie: dem so genannten „natürlichen Make-up“. Weiterlesen

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