Archiv der Kategorie: Bild der Frau

Sommerbeine! Die ganze Wahrheit.

Endlich Sommer! Zumindest in meiner Region ist er wie wild ausgebrochen dieses Wochenende. Das ist toll, bedeutet aber für mich auch, dass ich jeden Morgen ein bißchen länger unter der Dusche und manchmal auch ein Pflaster brauche. Denn irgendwann wurde eben beschlossen, dass meine Beinbehaarung unästhetisch ist, die meines Mitbewohners aber nicht. Dabei ist es damit ja meist gar nicht getan. Die Anforderungen in Werbung und Frauenzeitschriften an das so genannte „Sommerbein“ sind hoch und schon mit mehrwöchigem Pflegeprogramm kaum zu erfüllen. Um uns also vor allzu viel Stress zu bewahren – hier nun: die ganze Wahrheit über Sommerbeine.

So siehts aus.

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«Publisexisme ordinaire»

Neulich in Paris (schon wieder) regte ich mich ein bißchen über eine Reihe von großformatigen Schmuckwerbungen in der Metro auf, aus denen im wesentlichen hervorgeht, dass Frauen sich erst durch teure Schmuckgeschenke (vierstellig) richtig doll verlieben und Verliebte solch schmachtende Blicke, wie sie die Frauen von den Plakaten werfen, ohne Brillianten eben nicht erwarten können (und andere Zuwendung vermutlich auch nicht). Frauen wollen halt reich dekoriert werden, sonst werden sie nicht warm. Kennen wir ja. Das ist im Bereich der Schmuckwerbung zwar relativer Standard, aber das macht es kaum weniger nervig.

Nun hat mein Korrespondent in Paris eines der Plakate fotografiert, auf dem sich offensichtlich ein_e Gleichgesinnte_r aus Frankreich mit dem Spruch „Publisexisme ordinaire“ verewigt hat (leider nicht so gut zu erkennen). Das Plakat mag für sich genommen kein besonders großer Aufreger sein (mehr die Gesamtaussage dieser Schmuckkampagne, s.o.). Besonders interessant finde ich daran aber, dass in Frankreich offenbar ein eigenes Wort für Sexismus in der Werbung kreiert wurde – Publisexisme, das kennt sogar die Wikipedia. Damit wird das Problem als solches manifest.

Angesichts dessen, was uns Axe und Co. auch hier immer wieder vor die Nase setzen, denke ich stark über eine Übernahme nach. Wobei, „sexistische Kackscheisse“ lief ja bisher eigentlich ganz gut…

 

Gute Mädchen kommen in den Himmel, Kommunistinnen in den Weltraum.

Kürzlich in Paris sah ich mich erneut mit dem Luxusproblem der Kulturauswahl konfrontiert. Am Ende trug die Wissenschaft den Sieg davon und anlässlich des 50. Jubiläums des ersten (mit Yuri Gagarin) bemannten Raumflugs landeten wir im „Palais de la Découverte“, einem sehr interaktiven Wissenschaftsmuseum im Grand Palais. (Das den Sciencenerd in mir begeistert, aber naturgemäß voller Kinder ist, die alles ausprobieren ohne sich die Bedeutung der Experimente durchzulesen – sowas!).

Die Yuri Gagarin-Ausstellung war zwar schlussendlich nicht mehr als ein paar Fotos, Videos und Schautafeln mit James-Bond-Feeling, aber für mich trotzdem voller Funfacts wie dem, dass der erste bemannte Raumflug ja nur durch die ambitionierten Rüstungsprogramme, genauer die ballistische R7-Interkontinentalrakete, möglich war. Mit der hätte Russland im Fall des Falles die USA in die Luft jagen können, ohne dafür den Zwiebelturm zu verlassen. In der Zwischenzeit schickten sie damit magenstarke Helden des Sozialismus in den Orbit, das machte den USA auch schon etwas Angst. Ein allemal friedlicherer Einsatz, dem aber auch etwas sinnfreies anhaftet (heute wäre das anders: Yuri Gagarin hätte einfach getwittert „Weil ich es kann.“).

Und, dort hörte ich auch zum ersten Mal von der ersten Frau im Weltall. Fast jedeR kennt Gagarin, Neil Armstrong und spätestens seit „Goodbye Lenin“ auch Sigmund Jähn, aber zumindest mir war Walentina Wladimirowna Tereschkowa zuvor noch kein Begriff. Nur zwei Jahre nach Gagarin hielt sie sich fast drei Tage im Orbit auf und umrundete dabei die Erde 49 Mal (Gagarin: zweimal). Sie war Hobbyfallschirmspringerin und machte ihre Ausbildung zur Technikerin in der Abendschule neben ihrer täglichen „Frauenarbeit“ in einer Spinnerei. Nach dem Technikdiplom schaffte sie 1962 die Aufnahme an der Kosmonautenschule. Gelebte Emanzipation. Auf den Raumflug folgte die steile Sowjet-Karriere: Ingenieursstudium bei der Luftwaffe, später Mitglied im Obersten Sowjet, im Zentralkommitee und und und. Außerdem geheiratet, Kind bekommen, scheiden lassen, wieder geheiratet. Und nach dem Fall der UdSSR einfach weitergemacht: Sie leitete für 10 Jahre das „Russische Zentrum für internationale kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit“ und sitzt heute als Abgeordnete der Putin-Partei „Einiges Russland“ in der Duma. Politisch ist sie also vermutlich nicht unbedingt – sanft. In Anbetracht ihrer Karriere in der Sowjetunion hat sie vielleicht an Unrecht mitgewirkt. Und tut das vielleicht noch heute. Ich weiß es nicht. Aber ihren Namen will ich mir jetzt trotzdem merken.

Neben Meeresbiologin und Ballerina war Astronautin einer meiner Berufswünsche als Kind. Es scheiterte aber an schlechten Physiknoten (heute weiß ich: an den Physiklehrern, klar), zudem an Angst vor Geschwindigkeit sowie Höhen-, Flug- und Platzangst. Tja.

PS: If in Paris – ab September/Oktober geht es dann auch im restlichen Grand Palais weiter mit Ausstellungen. Unter dem Oberbegriff „Le Grand Palais sort le Grand Jeu“ gibt es u. a. die Ausstellung „Game Story. Une Histoire du Jeu Vidéo“ (Ausstellung zur Geschichte des Videospiels). Vielversprechend…

Unverwundbar? Geschlechterklischees und Games

Angesichts der Gamestage verkündet die Spielbranche, Frauen nun verstärkt als Zielgruppe ins Visier nehmen zu wollen. Dies verkündet sie nach meiner Empfindung nicht zum ersten Mal – seit Jahren verstärkt sich ja ganz allgemein der Trend, Käufergruppen jenseits der eingefleischten „Gamerszene“ zu erschließen. Dass es gerade in dieser Szene durchaus auch schon länger Frauen gibt, fällt dabei wohl nicht so sehr ins Gewicht (die haben da ja auch sonst mit einigen Ärgernissen zu kämpfen). Manche Studien meinen, dass Frauen sich bisher vor allem durch die Darstellung der Frauen in Computerspielen nicht angesprochen fühlten – könnte was dran sein. Leider findet manche die Antwort in weiteren dummen Biologismen: „Items einsammeln ist wie puzzeln oder bügeln. Frauen sind besessen davon.“ oder „Physiologische Studien zeigen, das Männer auf alles reagieren, was explodiert und Lärm macht. Frauen interessiert Action nicht. Sie lieben Emotionen, Beziehungen und komplexe Handlungen.“ Ich bin mir sicher, es gibt mittlerweile schon eine Menge interessante und weitaus differentiertere Untersuchungen und Erkenntnisse zur weiblichen Gamingszene, -wünschen und vorlieben (z.B. hier).

Trotzdem machen mich Ankündigungen, man wolle sich verstärkt weiblichen Zielgruppen zuwenden, zuallerst mal skeptisch. Dafür hab ich Gründe! Kostenlose Browsergames für Kinder, beispielsweise. Die trennen meist sorgsam nach Mädchen und Jungen und weisen dabei die flachsten, einschränkendsten Stereotype zu:

Mädchen machen sich schön, Jungen machen sich stark

Mädchen bereiten sich hier spielend auf das Leben vor: bekanntlich müssen sie dafür kochen, backen und dekorieren, und vor allem: Schön aussehen!  So ergattern sie Liebe – was dann folgt, können sie schon mal mit Babysitter-Spielen üben. Auch dürfen sie sich für liebliche, friedliche Dinge wie Tiere und Musik sowie Diensleistungen wie Kellnern und Servieren interessieren (liegt ja bekanntlich in der weiblichen Natur). Ganz neu ist das übrigens nicht (via Ninia LaGrande).

Jungs sind mehr Action- und Sportlastig unterwegs, sie rennen, jumpen, verteidigen, bomben und kicken, was das Zeug hält. Sieht mir ganz schön fordernd aus, dass Jungengamerleben. Aber da muss man(n) durch.

Natürlich kann man jetzt einwenden: das sind ja nur simpelste Billiggames, langweiliger Kram, von dem die Hälfte auf japanisch ist. Mag sein. Bei Kindern sind diese und vergleichbare Seiten jedoch recht bekannt und beliebt. Ist ja auch verständlich: einfach zu verstehen, kurzweilig, kostenlos und zusätzliche Devices à la Handheld oder gar Konsole sind nicht erforderlich. Zudem liest frau ständig, dass Browsergames gerade der heiße Scheiß sind und ihnen noch eine große Zukunft beschieden ist. Also, liebe Gamesbranche, wenn ihr jetzt die Frauen vermehrt aufs Korn nehmen wollt: gerne doch. Aber: Die Mädchen und ich, wir interessieren uns auch noch für andere Dinge als Kochen und Frisieren, und unser Gamesgeschmack leitet sich auch nicht von den Höhlenmenschen ab.

Recht bezeichnend bei oben verlinkter Spielesammlung: eines der beliebtesten Spiele „für Mädchen“ ist geradezu „actionlastig“: Bei „Liebeszauber 2“ läuft Mädchen durch die Schule und muss mit einer Art Bannstrahl Jungs abschießen, die sich dann in die Spielerin verlieben. Sind andere Mädchen anwesend, kommt es zum Bannstrahlen um die Wette. Das ist inhaltlich natürlich auch ziemlich beknackt, aber kommt für ein Spiel auf dieser Plattform im Vergleich zum öden Geschminke und Gerühre tatsächlich geradezu wie Adrenalin rüber. Könnte es etwa sein, dass Mädchen auch gerne mal durch die Gegend schießen?!

Love is a battlefield

Natürlich könn(t)en Mädchen auch einfach zu den „ungegenderten“ oder den Spielen für Jungs greifen, wenn ihnen die mehr Spaß machen. Aber dabei wird ihnen immer ins Auge springen, dass sie sich irgendwie „unmädchenhaft“ verhalten. Und das ist einfach Mist.

Wir werden als Prinzessin geboren

„Um 12 Uhr wird Kate zur Prinzessin“ – so oder ähnlich las ich’s heute auf einem Boulevardblatt. Zur Prinzessin werden! Prinzessin sein! Ein Evergreen in den Phantasien kleiner und großer Mädchen und in der kultureller Verarbeitung in Kino, TV, Literatur. Aber was macht den Prinzessinnen-Mythos, den wir heute mal wieder aufs Beste bewundern konnten, eigentlich so mächtig? Eine kleine Spurensuche.

In der Literatur begegnen uns Prinzessinnen häufig in der Kinder- und Jugendliteratur (wobei Märchen früher an alle Alterstufen adressiert waren). Ein Klassiker ist „Sara, die kleine Prinzessin“ der britischen Autorin Frances Hodgson Burnett (besser bekannt für den „Kleinen Lord“, der uns alljährlich in Weihnachtsstimmung schmalzt). Sara ist  eigentlich gar keine „richtige“ Prinzessin, d.h. nicht von so genannter adliger Geburt. Sie stellt sich nur vor, eine Prinzessin zu sein, weil sie in ihr eine moralische Instanz sieht: Die Prinzessin setzt ihre soziale Stellung dafür ein, Gutes zu tun und ihren Reichtum zu teilen. Diese Haltung hängt aber mit Reichtum nicht zwingend zusammen, wie Sara zeigt: Sie ist zwischendurch furchtbar arm, versucht aber immer noch zu teilen – wenn auch nur ihre Phantasie, das einzige, was ihr bleibt. Sind am Ende die Juwelen gar nicht entscheidend? Wüßte gerne, was Kate Middleton zu dem Thema zu sagen hat.

Radfahren wie Prinzessin Lillifee

Eine weitaus prominentere, zeitgenössische Prinzessin ist eher ein Hassobjekt von mir: die unausweichlich rosafarbene Prinzessin Lillifee. Ihre Geschichte(n) kenne ich nicht – ja, es gab am Anfang mal ein Buch – aber Wikipedia weiß: „Wenn Lillifee nicht gerade zur Zauberschule geht, dann hilft sie den Tieren, Pflanzen und allen anderen, die in ihrem Feenreich leben“. Es kommen Einhörnern, Seejungfrauen, Ballerinas und Delfine vor. Also auch: sehr hilfsbereit. Und tierlieb. Und anmutig und goldig. Auf der Lillifee-Website sind die Bücher aber nicht so leicht zu finden, denn der Shop listet erstmal alle anderen erdenklichen Produkte auf, die man mit Lillifee verzieren kann. Und die sorgen mit Macht dafür, in den Köpfen ungezählter Mütter und Töchter das Bild zu verfestigen, dass Rosa und Prinzessinnen Mädchenrecht und -pflicht sind. Das monetäre Potential des P-Worts hat mittlerweile auch der Disney-Konzern erkannt und all seine mehr oder weniger ins Schema passenden weiblichen Charaktere in der Marke „Disney Princess“ vereint. Prinzessinnen sind offenkundig lukrativ. Auch da macht Kate M. keine Ausnahme.

In klassischeren, märchenhaften Zusammenhängen muss die Prinzessin meist gerettet werden und fällt allerlei bösen Hexen mit giftigen Äpfeln, magischen Spindeln und anderen Intrigen zum Opfer. Ihre wahre Größe muss sie unter großen Entbehrungen beweisen (bspw. in den Wald verjagt werden, als Gänsemagd leben, in der Asche schlafen… lange Liste): und dass diese ihrer Tugendhaftigkeit nichts anhaben können. Das bezahlen sie zur Not auch mit dem Leben, für die Auferstehung sorgt ein Prinz. Klar ist dabei immer: Prinzessin ist Frau von innen. Sie kann es nicht erwerben oder erlernen. Wenn die Tugend und Feinfühligkeit nicht stimmt, dann ist da nix zu machen. Interessanterweise ist eine adlige Geburt im Märchen nicht zwingend vonnöten – wer nur bescheiden, demütig, fleißig und gutherzig genug war (so ne richtige Goldmarie eben), der kriegt am Ende den Prinzen und ist ZACK – adelig. Diese Werte stellt die zukünftige Prinzessin von heute dadurch unter Beweis, dass ein Prinz sich in sie verliebt. Damit ist ihre innere Prinzessin hinreichend bewiesen, und die Tugend kommt von selbst. So wie bei Mette-Marit oder Maxima.

Ist nur im Urlaub

Die Filmprinzessin des 20 Jahrhunderts ist schon einen Schritt weiter. Sie setzt sich durchaus mit ihrem goldenen Käfig auseinander. Ikonenhaft hier, wie in vielem anderen auch: Audrey Hepburn, die als Prinzessin auf Abwegen mit der Vespa Rom unsicher macht. Doch der Titel verrät es schon: die „Roman holiday“ bleibt auch nur ein Urlaub vom Prinzessinnendasein. Wie in etlichen weiteren Filmen ähnlichen Musters trifft sie auf ihrem Inkognito-Ausflug ins wahre Leben einen abgehalfterten Journalisten, der sie für eine tolle Story verführen will, dann aber – natürlich – hoffnungslos dem Charme der noblen Geburt erliegt. Wäre der Film aus den 2000ern, hätte sie ihn vielleicht an ihre Seite holen können, aber 1953 weiß eine Prinzessin noch, wo ihr Platz ist (und seiner), und das Happy End bleibt ihr versagt. Die andere Spielart der Filmprinzessin lebt jahrelang ein normales Leben, ohne etwas von ihrer adeligen Geburt zu ahnen. Im „Plötzlich Prinzessin“-Prinzip hat sie dann naturgemäß erstmal große Probleme, sich an höfische Etiketten zu gewöhnen. Das Projekt scheint zum Scheitern verurteilt, doch am Ende: werden die Ketten gelockert, Traditionen umgekrempelt, das Zeremoniell aufgepeppt, der Prinz gefunden – und die innere Prinzessin trägt den Sieg davon.

Hat es einfach drauf

Vor einigen Jahren entdeckte auch das deutsche Fernsehen den Prinzessinnenfilm für sich (siehe oben: verkauft sich gut!), und verpasste einigen Schauspielerinnen eine Krone: So macht Karoline Herfurth in „Prinzessin macht blau“ (2004) einfach mal blau vom Hof, gerät dabei naturgemäß an einen Sensationsreporter (undercover), mit dem sie zum HappyEnd aber glücklich vereint ihrer Neigung zum Tierschutz nachgehen darf (weil: Prinzessinnen sind tierlieb, wie wir wissen). Noch gewagter wird es in „Eine Prinzessin zum Verlieben“ (2005), in dem Prinzessin Muriel Baumeister vor ihrer anstehenden royalen Vermählung ebenfalls noch einmal jenseits von höfischen Pfaden wandeln will. Dabei verliebt sie sich in einen Gärtner, der, wie sich herausstellt, auch tatsächlich ein Gärtner ist. Eine plötzliche Prinzessin ist Felicitas Woll in „Eine Krone für Isabell“ (2006). Erst als junge Frau erfährt sie, dass ihr Vater in Wahrheit König eines Fantasiezwergenstaats am Mittelmeer ist. Auf diesen Schock mischt sie sich erstmal getarnt unter dessen Volk, wird aber – surprise – von einem Sensationsreporter (undercover) erkannt und verführt. Pünktlich zur Krönung ist aber alles vergeben und sie kann den Reuigen zum Thron an ihrer Seite emporheben.

Ja, Prinzessinnen können heute auch Gärtner und Reporter heiraten. Oder Fitnesstrainer. Sie können auch vorher Partymäuse gewesen sein. Denn wie man sieht, hat eine Prinzessin es immer in sich, egal ob von adliger Geburt oder nicht: ein reines Herz. Sie ist manchmal naiv, durchaus auch mal rebellisch, aber immer herzensgut und letzten Endes weiß sie auch, was sie zu tun hat, nämlich: Das Richtige. Diese Tugenden jedoch kann sie nicht erlernen, sie handelt danach instinktiv und naturgegeben, trotz Ausrutschern. Denn dass die Prinzessin reichlich biologistisch daherkommt, steht außer Frage. Und dass eine Prinzessin im wahren Leben an diesem Anspruch bisweilen kaputt geht, genauso wenig. Aber mächtig ist die Faszination dennoch: insgeheim etwas ganz Besonderes zu sein, etwas Besseres, etwas Schönes – und gleichzeitig daran ganz unschuldig zu sein (und nichts dafür tun zu müssen).

(Archivmaterial)

Die Mädchen, die gerne eine Prinzessin sein wollen, sitzen jedenfalls einer fiesen Täuschung auf: zu allererst müssen sie sich richtig gut verhalten. Wie ein richtig nettes, liebes Mädchen. Und wenn das dann nichts wird mit dem Prinz und der Krone, tja – dann haben sie es wohl einfach nicht in sich. Und wer behauptet, alle Mächen wollten Prinzessinnen sein – der meint dann wohl auch, alle Mädchen wollten lieb und nett sein. Und da hab ich anderes gehört. Ich jedenfalls überlege mir das echt noch mal, mit der Prinzessin. Scheint mir eine anstrengende Sache zu sein. Und unterm Strich: auch ziemlich öde.

[Kleine Teile dieses Textes stammen aus einem älteren Blogtext. Für alle treuen Leser_innen von damals (alle zwei) – hoffe es ist trotzdem spannend!]

A perfect Match: WM- meets Bikini-Saison

Das war doch mit Frauenfußball gemeint, oder?

Praktisch für Frauenzeitschriften sind ja die Themen, die jedes Jahr fest im Programm sind und die vermutlich zu Beginn des Jahres als Erstes in die Redaktionspläne gecopypasted werden. Im Frühjahr müssen wir zum Beispiel an die so genannte herannahende Bikini-Saison erinnert werden – „Bikini“ steht in diesem Fall ganz generell als Synonym dafür, dass wir bald was herzeigen sollen oder müssen, und entsprechende diätetische, sportliche und rasierende Maßnahmen ergreifen.

Sommer heißt dieses Jahr aber nicht nur wie stets Bikini-, sondern auch – weitaus spannender – Frauenfußball-WM-Saison. Für diese hat der Sender RTL nun eine offizielle Botschafterin erkoren: Dschungelcamperin und Ex-Castingband-Sängerin Indira Weis soll es werden. Sie hat in ihrer Schulzeit selbst vier Jahre Fußball gespielt, die Begeisterung bringt sie also sicher mit, und zudem kann sie ja auch okay singen, einen offiziellen Song gibt es nämlich auch. Indira sieht ihre Qualifikationen aber auch noch an ganz anderer Stelle: Die Fußballerinnen machen schließlich „genau wie ich im auch im Bikini eine gute Figur.“ Stimmt, es ist ja auch noch Bikini-Saison! Indira fände es daher super, mit den Frauen ein Fotoshooting am Strand zu machen. Darin hat sie schon Übung, denn pünktlich zum Dschungelcamp erschien sie nackt im Sand räkelnd im Playboy.

Indira ist vermutlich der Ansicht, dass ihre Statements dem Frauenfußball zu mehr Popularität verhelfen werden. Prima: die deutsche Nationalmannschaft hört sicher gern, dass sie und ihre Botschafterin sich vor allem durch Bikinitaugliche weibliche Reize qualifizieren. Von wegen, androgyne Mannweiber! Das findet auch BILD, die Indiras Idee vom Bikinishooting gewohnt wortgewandt kommentiert: „Aber dann würde man den Ball vor lauter Bällen nicht sehen…“. Welch würdevoller, gelungener  Vergleich. Infam.

Auf Indiras offiziellen WM-Song „Unsere Frauen“ bin ich nun jedenfalls sehr gespannt. Vielleicht findet sie auch darin die richtigen Worte, um den Frauenfußball anständig aufzusexen. Noch mehr hoffe ich allerdings auf weitere, alternative WM-Botschafter_innen und eine sexismusfreie Berichterstattung, die sich nicht genötigt sieht, ständig unter Beweis zu stellen, dass Fußballerinnen ja auch sexy sein können.