Archiv der Kategorie: Involviert

History repeating

Blogs wechseln ist bei mir leider eine schlechte Angewohnheit. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. Und nun hab ich’s schon wieder getan! Allerdings für mehr Freiheit, und so. Denn ich wollte mal alles selbst machen, und daher hab ich mir jetzt einen Blog mit eigener URL und viel mehr Selbstmachen (alles wäre vielleicht doch etwas übertrieben) zugelegt. Der ist noch ein bißchen im Aufbau, aber ich bin halt eher so eine Schildkrötenbloggerin. Gemächlich.

Also: hier geht’s weiter. www.klirrr.de

Schaut doch mal rein.

Ein Wieder-Da-Post: Filmfestivals, LEGO, Internet und so.

So: wieder da. Viel zu viele Wochen mehr oder weniger unfreiwilliges Blogbrachland liegen hinter mir, was mir besonders leid tut, nachdem es bei meinen letzten Blogpost im Januar (gottohgott) so viel Resonanz gab, auf die einzugehen ich schon da nicht mehr richtig Zeit hatte. Dafür noch mal: sorry! Abgelenkt war ich durch so Lebensdinge wie eine Wohnung suchen und finden, einen neuen Job in einer neuen Stadt anfangen, umfangreich und in mehreren Portionen umziehen und irgendwie ein, so heißt es wohl, neues Leben anfangen, nicht radikal neu-neu, aber so ein bißchen.

Zeitgleich ging meine komplette Online-Frei-Zeit für ein anderes Herzensprojekt von mir drauf, nämlich die Online-Redaktion (plus Social-Media-Parade) für das Frankfurter Filmfestival LICHTER, das in diesem Jahr nicht nur mehr Programm hatte, sondern auch noch einen kompletten Website-Relaunch wenige Wochen vor dem Festival. Das macht viel Spaß, wäre aber im Prinzip mindestens eine Halbtagsstelle, die dementsprechend neben einer vollen Lohnarbeit dann doch etwas stressig werden kann. Dazu ließe sich erörtern, wie chronisch unterfinanziert viele ambitionierte Kulturangebote trotz ihrer Bedeutung fürs Stadtleben sind und wie sie ohnehin nur durch leidenschaftliche Selbstausbeutung und Ehrenamt zustande kommen können – mach ich vielleicht mal demnächst, aber das Problem ist vermutlich hinlänglich bekannt. Ich war jedenfalls schwer damit beschäftigt, viele Dinge ins Netz zu tun (nur nicht hier) und habe am Festival selbst noch ein bißchen offline agiert und in Mikrofone gesprochen (und geglitzert).

***

Unterdessen sind viele Themen gekommen und gegangen, zu denen unfertige Blogposts in meiner Kopf schwurbelten (und um die es rückblickend betrachtet auch nicht wirklich schade ist. Kann im Internet auch mal von Vorteil sein, der Zeitmangel.) Unter anderem Gedanken gemacht habe ich mir zu LEGO.

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Das erste Mal: einen Jahresrückblick schreiben. Sort of.

Huch! Das Jahr ist rum. Und was für ein Jahr das war. Voller erster Male. Eine unrepräsentative Auswahl:

  • Was ich 2011 zum ersten Mal gemacht habe: einen Job gekündigt, einen Sprinter gefahren, Interviews vor Publikum geführt (auf deutsch und englisch!).
  • Wo ich 2011 zum ersten Mal war: Barcelona, Genf, re:publica, Berlinale (endlich!), Slutwalk, Arbeitsamt.
  • Was ich 2011 gelernt habe: Absagen zu bekommen, Abzuwarten, Aufzubrechen, Abschied zu nehmen (überhaupt vieles mit „A“), zu Sparen und Sprinter zu fahren.

Für 2012 scheint mir das eine solide Basis zu sein. Für viele weitere erste Male. Die sind nämlich, abgesehen von gelegentlichen Gefühlen von Lächerlichkeit und Verzweiflung Frustration, eine ziemlich spannende Sache. Daher wünsche ich Euch auch viele erste Male für das nächste Jahr*: zunächst mal, unbeschadet und auf die bestmögliche Weise zum ersten Mal 2012 zu haben. Und dann sehen wir weiter!

*(oder auch zweite, dritte und vierte Male – von allem, was gut tut)

Fest der Liebe, Lall und Lüll.

Wollte gerade mit der Weihnachtskocherei beginnen. Zutaten stehen bereit. Mutter schnuppert am Portwein, sagt: das hier ist der Portwein. Ich schnuppere: Mhmmm! Da kann ich ja schon mal einen Schluck nebenbei… Mutter kramt mir darauf ein Gedicht raus. Dies erfreute mich so, dass ich die Kocherei kurz aufschiebe und dies flink hier notiere. Denn Weihnachten begegnet Mensch bekanntlich am besten mit, genau, Humor. Und vielleicht ein bißchen Wein.
In diesem Sinne wünsche ich: köstliche Weihnachten! Ich gehe dann mal kosten, also, ich mein, kochen.

Fritz Eckenga
Der Wein war ein Gedicht

Kartoffeln schälen,
Möhren schaben,
Derweil schon sich am Weißen laben.
Fisch beträufeln
Und gelassen
Den Roten abseits atmen lassen.

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Jahresrückblick zum Thema Gleichstellungs- und Familienpolitik in weniger als 4 Sekunden!

Es ist die wieder die besinnliche Zeit der Jahresrückblicke, des Wahnsinns und der Albernheiten. Frohes Fest!

Mädchen, sei nicht neidisch! Ein paar lose Neid-Gedanken.

„Sei nicht neidisch!“ war ein Satz, den meine Mutter in ihrer Kindheit oft von ihrer Mutter zu hören bekam. Das war einer der Grundsätze, die ein protestantisches Mädchen in den 50er Jahren zu verinnerlichen hatten. „Nicht neidisch“ hieß gleichzeitig auch „bescheiden“. Nicht fordernd. Nicht drängelnd. Nicht stolz. Sich bescheiden mit dem, was Mädchen hat. Fleißig, genügsam und bloß den Mund haltend.

Ob bei der Erziehung von Mädchen oder generell in christlichem Kontext: der Neid-Begriff wurde oft benutzt, um Menschen klein zu halten – bescheide dich mit dem was du hast, blick nicht zu denen, die mehr haben – Gott weiß schon, warum er das so verteilt hat, und wenn du immer hübsch bescheiden bist und auf keinen Fall neidisch, dann winkt die Seligkeit am Ende.

Neid hat einen außerordentlich schlechten Ruf. Sicher nicht unbegründet: Als Missgunst macht er Menschen zornig, selbstzerstörerisch, unglücklich und vielleicht sogar gewaltbereit. Ich will das, was du hast – und zur Not hole ich es mir mit allen Mitteln. Oder: ich kann niemals haben, was du hast, und das macht mich völlig kaputt und unfähig, das Leben zu genießen. Aber er kann Menschen auch dazu bringen, darüber nachzudenken, warum Andere etwas haben und sie nicht – und wie diese Anderen es bekommen haben, ob vielleicht durch Unrecht oder Ausbeutung. Weil die einen reich geboren sind und die anderen arm. Neid ist zwar nicht per se ein „produktives“ Gefühl. Immerhin heißt es „vom Neid zerfressen“: als Minderwertigkeitsgefühl richtet er sich gegen die eigene Person und Stärke, kann Misstrauen und Gewalt hervorbringen. Aber er ist zugleich wie die dunkle Seite einer Medaille – auf deren anderer Dinge wie sozialer Antrieb und Ungerechtigkeitsempfinden stehen. Gefühle, die dazu führen können, die Ursachen für den Neid zu suchen und beseitigen zu wollen.

Religiöse Gebote (etwa die populären „10“) mit der Aufforderung, nicht des nächsten Weib, Haus oder Gut zu begehren (und der Aufforderung, ihm deswegen nicht den Schädel einzuschlagen), hatten einen Sinn zur Aufrechterhaltung der Gesellschaft – ähnlich Gesetzen. Aber oft genug ging es  „oben Stehenden“ (ob nun materiell, spirituell oder hierarchisch – oft auch alles drei) darum, mit der Verdammung des Neidgefühls eine bestimmte, sie begünstigende Ordnung aufrechtzuerhalten. – Überraschenderweise bin ich nicht die erste, die sich diese Gedanken macht, wie der Wikipedia leicht zu entnehmen ist: „Bereits Aristoteles postulierte einen gerechten Neid bei ungleicher Verteilung der Güter. Der Psychoanalytiker Rolf Haubl unterscheidet zwischen dem negativen feindselig-schädigenden und depressiv-lähmenden und dem positiven ehrgeizig-stimulierenden und empört-rechtenden Neid, der das Gerechtigkeitsgefühl anrege und auf Veränderung dränge.“ Ebenfalls in die gleiche Richtung geht ein Absatz zum Thema Neid in Religionen: „Im Hinduismus wird gesellschaftliche Ungleichheit als Folge des individuellen spirituellen Karmas dargestellt und Neid lediglich als das nicht akzeptierte Karma bzw. Schicksal, das der Welt der Kasten entgegensteht.“ Arm und ausgebeutet dank niedriger Kaste? Tja: schlechtes Karma gehabt. Aber besser nicht neidisch sein, sonst wird das auch im nächsten Leben nichts.

In der kleinbürgerlichen, christlichen Mädchenerziehung (und vermutlich nicht nur dort) hat sich diese Geißelung von (gerechtem?) Neid bei gleichzeitiger Preisung der Bescheidenheit jedenfalls bis weit ins 20. Jhd. gehalten, und ich behaupte, die Folgen sind heute noch spür- und sichtbar. Auch hier galt (gilt?) es eine Ordnung einzuhalten, in der einige mehr haben (z.B. Bewegungsfreiheit, Entscheidungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, Erfolgs- und Gewinnstreben, Aufsichtsratsposten) und andere eben weniger.

EDIT: Zusatzinfo für alle Leser_innen, die nicht wie ich den liebenlangen Tag auf Twitter & Co. rumhängen: Angeregt wurde ich zu meinen Gedanken durch diesen Blogpost von Michael Seemann/@mspro, der darin die Reaktionen auf seine Spenden-Aktion kommentiert hat. Mein Text hat damit aber nicht direkt zu tun, es brachte mich nur dazu, über Neid nachzudenken.

Das Klo und der Papst.

(Quelle: Huffington Post)

Als ich vor Jahren mit meiner Schwester zusammenwohnte, bekam sie von einem befreundeten schwulen Pärchen einen Kalender zu Weihnachten geschenkt. Der hing fortan bei uns auf dem Klo, das wir „Männerklo“ getauft hatten und mit allerlei Bildern hübscher Männer vollgehängt. Da passte der Kalender gut hin: er war auch voller hübscher Männer, noch dazu in Priesterkluft. Der reine Fetisch! Erst nach einer Weile fand ich heraus, dass er keineswegs aus einem humorvollen Verlag für Homoerotisches stammte, sondern in Rom fotografiert und produziert und rund um den Vatikan verkauft wird. Es handelte sich um den „Calendario Romano“, der Priester und Seminaristen vor Gebäuden des Vatikans zeigt und zudem über den Kirchenstaat und Rom informieren will. An Informationen erinnere ich mich freilich nicht – wer würde sich da auch für was anderes als die Bilder interessieren? Laut den spärlichen Infos, die ich über Google finden konnte, meint der Fotograf Piero Pazzi das auch (vorgeblich?) ganz ernst. Der Kalender hätte gar nichts mit Erotik zu tun, und sei einzig als Souvenir für Rom-Urlauber gedacht – mit Infos und so. Jaja. Aber zumindest wird versichert: bei allen Abgebildeten handle es sich tatsächlich um katholische Geistliche.

Ob das so ist – wer weiß. Ich jedenfalls musste anlässlich der Papstbesuchs-Berichterstattung wieder an die sexy Priester denken, die mal auf meinem Klo hingen. Und was für ein adrettes Bild von Doppelmoral sie abgaben. Leider kann ich nicht in Berlin sein, um den Papst mit zu, äh, begrüßen. Aber ich verlasse mich darauf, dass sich morgen genug Begeisterte finden!