Archiv der Kategorie: Machen

Fest der Liebe, Lall und Lüll.

Wollte gerade mit der Weihnachtskocherei beginnen. Zutaten stehen bereit. Mutter schnuppert am Portwein, sagt: das hier ist der Portwein. Ich schnuppere: Mhmmm! Da kann ich ja schon mal einen Schluck nebenbei… Mutter kramt mir darauf ein Gedicht raus. Dies erfreute mich so, dass ich die Kocherei kurz aufschiebe und dies flink hier notiere. Denn Weihnachten begegnet Mensch bekanntlich am besten mit, genau, Humor. Und vielleicht ein bißchen Wein.
In diesem Sinne wünsche ich: köstliche Weihnachten! Ich gehe dann mal kosten, also, ich mein, kochen.

Fritz Eckenga
Der Wein war ein Gedicht

Kartoffeln schälen,
Möhren schaben,
Derweil schon sich am Weißen laben.
Fisch beträufeln
Und gelassen
Den Roten abseits atmen lassen.

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#DIY oder: niemand hört auf Tocotronic.

Vor ein paar Tagen ausgelesen: das Buch „Hab ich selbst gemacht. 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte“ von Susanne Klingner. Darin dokumentiert sie ihr Experiment, ein Jahr lang so viel wie möglich selbst zu machen. Von naheliegenden Tätigkeiten wie Brotbacken, die sich in ihrer ständigen Wiederholung allerdings als ganz schön anstrengend herausstellen, bis hin zu ausgefalleneren Selbstmacharbeiten wie Käsen, Schustern und Seife kochen probiert sie alles mögliche aus, und beschreibt die Frust- und Erfolgsmomente wunderbar ehrlich und sympathisch. Nebenbei macht sie sich kluge Gedanken über den anhaltenden Trend zum Selbermachen, warum Stricken auf einmal cool ist (aber sie sich zunächst trotzdem altbacken fühlt), und welche Ursprünge die DIY-Lust haben könnte. Sehr interessant fand ich dabei, was ihr nach einiger Zeit beim Streifen durch ein Kaufhaus durch den Kopf geht:

„Ich fürchte, ich habe den Draht zur Konsumgesellschaft verloren. Einerseits war ein bißchen Abstand ja einer der Gründe für mein Experiment. Andererseits fühle ich mich in diesem Moment auch irgendwie ausgeschlossen – so als sei ich nur zu Besuch im ganz normalen Alltag der anderen Menschen. Ich habe das Gefühl: Konsumieren hält alles zusammen. Es ist das, was alle Menschen tun. Sie gehen arbeiten, um Geld zu verdienen, um Dinge zu kaufen. Konsum ist Teil unseres gesellschaftlichen Kreislaufs.“

Das mag sich zuerst nicht nach einer bahnbrechend neuen Erkenntnis anhören. Es ist aber schon etwas, das Leute nicht besonders gerne aussprechen. Wir tun gerne mal so, als wäre uns das alles nicht so wichtig mit dem Konsum. Als wäre dies nur eine Notwendigkeit und keine Sache, die vieler Menschen einzigste Vorstellung von Freizeitgestaltung ist – oder von gesellschaftlichem und persönlichem Erfolg. Kaufen kann eben auch glücklich machen. Was es bedeuten kann, davon ausgeschlossen zu sein (oder sich dagegen zu entscheiden), davon erhält man bei Susanne Klingner eine Ahnung. Und dazu gibt’s jede Menge Ideen, was Mensch nun selbst mal machen könnte. Ich zumindest fühlte mich an diverse Ideen gemahnt, die mir eh schon lange durch den Kopf gingen, und noch ehe ich halb durch war, juckte es mich stark in den Fingern.


Trotzdem kam es mir erstmal sehr gelegen, dass in dieser Woche auch die Ausstellung DIY – Die Mitmachrevolution im Museum für Kommunikation Frankfurt eröffnet hat. Da konnte ich am Thema dran bleiben, aber trotzdem erstmal passiv weiterkonsumieren. Die Ausstellung widmet sich der Geschichte des Selbstmachens bis hin zu seinen aktuellen, modernen Formen, und fächert den Begriff in viele unterschiedliche Facetten auf: nicht nur das Selbermachen als Hobby, sondern auch dessen Notwendigkeit in Zeiten des Mangels, die wirtschaftliche Nutzung in der Selbstbedienung, die Bedeutung in Protestkulturen bis hin zu neuesten Formen in Open Source Projekten (z.B. bausteln), Plattformen wie etsy oder „Online Customization“. Dabei hab ich einiges für mich Neues entdeckt – zum Beispiel die fabelhaften „IKEA Hacks“. Ebenfalls spannend ist, wie sich in der Geschichte der Selbermachkultur Geschlechterstereotype manifestieren. Klar: Mädchen häkeln, Jungen werkeln. Klingt nach 50er Jahre, dabei wird Selbermachspielzeug ja heute (wieder? noch?) oft genug und bedauerlicherweise genauso gegendert (Perlenset für Mädchen, Laubsäge für Jungs). Und obwohl z.B. der allgemeine Kochtrend eigentlich für eine Auflösung der Zuschreibungen sorgen könnte, gibt es ja nun auch eine fleischige Kochzeitschrift für männliches Kochen. Was auch immer das sein mag…

In jedem Fall gibt es bei der DIY-Ausstellung auf gar nicht mal so viel Raum sehr viel zu entdecken und zu gucken – noch bis 19.02.2012 in Frankfurt/M., dann ab 30.03.2012 in Berlin. Ach ja, und von wegen „passiv konsumieren“ – was zum Mitmachen gibts natürlich auch. Dafür war’s nur an der Eröffnung zu voll. Also Vorsicht: gesteigerter Selbstmachdrang kann die Folge sein! Immerhin wird hier nicht weniger als eine Revolution ausgerufen. Vielleicht poste ich demnächst ja mal ein paar verpatzte Resultate…

Mehr Ausstellungseindrücke:

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Grün.

Passend zum Blogsommerloch gibt es von mir mal etwas Häusliches und Leichtes. Und zwar Grüne Soße.  Viele FrankfurterInnen setzen sich in der Saison ein- bis mehrmals der etwas aufwendigen Zubereitung aus. Es lohnt sich, denn die Soße ist lecker und sommerlich. Und gesund, nehm ich mal an (und schmeckt in der Regel auch Leuten von Außerhalb, nicht so wie der hessische Apfelwein). Da andernorts die Grüne Soße viel zu unbekannt ist, ist dies also auch ein Promotion-Post (aber nicht gesponsort).

 

So sieht das Päckchen nach dem Auspacken aus: ganz viele Kräuter. Grüne Soße ist, wie der Name schon sagt, sehr grün. Die Beschaffung in Frankfurt ist leicht, anderswo sicher etwas schwieriger. Zur Not selbst zusammenstellen, was im Fall von Borretsch oder Pimpinelle sicher nicht so einfach ist. Auf keinen Fall jedoch Dill verwenden. Ich hab mir sagen lassen, Berliner könnten Grüne Soße auf dem Markt am Winterfeldtplatz erwerben.

 


Die Kräuter werden abgestielt (falls nötig), Altes und Welkes aussortiert, alles gewaschen und mit Hingabe trocken geschleudert. Es geht sicher auch nur mit einem Sieb und Abtropfen lassen, aber ich bin immer für die Spezialgerätschaft.

 

 

 

Raus kommt ein riesiger Haufen gewaschener Kräuter.

 

 

 

 

 

Bei der Zerkleinerung scheiden sich die Geister. Die hessische Hausfrau verwendete vermutlich ein klassisches Wiegemesser. Damit gehts sicher gut und lustig, hier hab ich allerdings eine Ausstattungslücke. Auch beim Grad der Zerkleinerung gibt es unterschiedliche Geschmäcker, ich mag’s fein, daher hacke ich mit dem großen Messer vor und lasse ansonsten ein weiteres Gerät für mich arbeiten. Es kann aber ein bißchen dauern!

 

Irgendwann sollte das so aussehen: deutlich weniger, aber immer noch sehr grün.

 

 

 

 

 

Zitronensaft dazu (von 1/2 – 1 Zitrone). Nicht zu viel, denn der Sauerampfer macht auch schon recht sauer.

 

 

 

 

 

 

Damit das ganze nun eine Grüne Soße wird, kommt Milchprodukt hinzu. Auch hier gibt’s unterschiedliche Varianten. Ganz falsch finde ich Quark und/oder purer Joghurt, das ist soll ja kein Kräuterquark. Richtig ist Saure Sahne oder Schmand, damit es etwas frischer ist tat ich noch etwas Joghurt dazu. Nächster Streitpunkt: Majonaise. Ich sage: ein Esslöffel auf jeden Fall. Dämpft die Säure. Und ein bißchen Senf. Pfeffer, Salz.

 

Farblich gehört das dann in etwa so. Die Appetitlichkeit ist wie bei vielen Traditionsgerichten wohl Ansichtssache.

 

 

 

 

 

Und das kommt dazu: gekochte Kartoffeln, gekochte Eier (manche zerhacken die Eier auch und tun sie direkt rein. Ich sage: Pfui!). Traditionell ist gekochtes Fleisch (Tafelspitz), seit neuestem in Frankfurter Lokalen auch Schnitzel, ich hab hier die vegetarische Variante. Die Sauße sieht leider etwas wie drübergekotzt aus – ich war so hungrig, da ging mir der Blick für die Ästethik ab.

Hier könnt ihr euch jetzt noch einen nachdenklichen Teil zu kulinarischen Traditionen und modernern Heimatbegriffen denken. Ich werde unterdessen was essen.