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Es ist angerichtet: Auto, an Frau serviert.

Vor Jahren erzählte mir ein Bekannter (damals Student), dass er regelmäßig einen Messejob auf der IAA (der „Internationalen Automobil-Ausstellung“) mache: als Ansprechpartner für Testfahrten (oder so) bei einem großen deutschen Autohaus. Dies seien recht begehrte Jobs, belehrte er mich – er bekäme das komplette (sportliche) Outfit von der Firma gestellt, dürfe mal mit neuen Autos fahren und außerdem gäbe es ganz gut Geld. Natürlich sei das auch anstrengend, aber kein Vergleich zu den angestellten Mädels: die müssten immerhin den ganzen Tag in High Heels da rum stehen, während er Turnschuhe tragen „müsse“. Aber es kam noch besser: seiner Erzählung nach erhielten die Angestellten, Männlein wie Weiblein, vorher die gleiche Einarbeitung bezüglich der dort präsentierten Autos. Wie das vermutlich für so Messejobs ist: es gibt einen oder mehrere Einarbeitungstage, und dazu müssen halt alle da sein. Das Training enthielt aber auch folgende Regel: wenn die neben den Autos postierten Damen auf Details zum Modell oder auf Testfahrten angesprochen werden, sollen sie an ihre männlichen Kollegen verweisen, selbst aber keine Auskünfte erteilen – obwohl sie die gleichen Infos wie die (ansonsten in der Regel ebensowenig mit Fachwissen ausgestattenen) Jungs parat hatten. Mein Bekannter war davon irritiert-amüsiert: er hatte eigentlich keine Ahnung von Autos, aber die Experten sollten eben die Männer sein – das erwarteten die Besucher_innen ja so (irgendwie so war wohl die Erklärung).

Nun, das ist eine Anekdote. Ist schon eine Weile her, und ich würde es nicht als knallharten Tatsachenbericht verkaufen wollen. Wenn ich mir die Bilder von der gerade laufenden IAA ansehe (ich will nicht unbedingt Klicks für mäßig tolle Seiten produzieren, aber wer gucken will – z.B. bei der Welt), scheint es mir aber zumindest einigermaßen wahrscheinlich. Was ich daran so frappierend finde: dass es immer noch solche Orte und Events gibt, an denen Sexismen wie „die Models sind nur Dekoration“ einfach so als Tradition verbucht werden und „dazugehören“. Und es handelt sich dabei nicht um schlüpfrige Nischen, sondern maßgebliche Veranstaltungen mit zigtausend Besucher_innen und riesiger Ausstrahlung. Und die Kombination Auto – „sexy“ Frau scheint eine besonders hartnäckige zu sein. Mich würde wirklich interessieren, ob die Hostessen inzwischen die Autos auch fahren oder erklären dürfen – ich tippe allerdings auf: falls ja, dann nur als zusätzliches Gimmick. Und in der Berichterstattung bleiben sie die Dekoration – oftmals ja nicht mal „komplett“, sondern nur noch als ein paar Beine in Pumps. Köpfe: sind nur eingeschränkt interessant bzw. verzichtbar (interessant dazu: der gestern erschienene Artikel von Teresa Bücker und die Lisa Bloom-Zitate).

Hoffnung macht mir in der oben verlinkten Welt-Fotostrecke aber immerhin ein Bild: die kroatische Autodesignerin Ana Zadnik, am Steuer ihres für Renault designten Elektroautos. Die hat unter anderem am prestigeträchtigen Londoner Royal College of Art studiert und präsentiert das Auto selbst. Dabei sieht sie: ganz normal adrett aus. Mit Kopf und allem.

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